Gute Pillen, schlechte Pillen?

Seit einigen Wochen wird in den Medien verstärkt über das Thema Pille und Thromboserisiko berichtet. Die Verunsicherung, die bei vielen Pillenanwenderinnen dadurch entsteht, zeigt sich auch an der Vielzahl der Nachfragen in unserer Praxis.  

Unter einer Thrombose versteht man die Bildung von Blutgerinnseln innerhalb von Gefäßen, die das Blut zum Herz zurücktransportieren, meistens in den Beinvenen. Warnsymptome sind Schmerzen und Schwellungen in den Beinen - besonders in den Waden. Eine seltene, aber lebensgefährliche Komplikation ist, dass sich ein Gerinnsel aus den Beinvenen ablöst und über das Herz in die Lungenadern gelangen und diese verstopft (Lungenembolie).

 

Statistisch gesehen bekommen 5 von 100.000 Frauen in ihrem Leben eine Thrombose.

Es ist seit langem bekannt, dass grundsätzlich alle kombinierten hormonellen Verhütungsmittel das Thromboserisko erhöhen. Dazu zählen alle Präparate, die eine Kombination aus Östrogen und einem Gestagen enthalten, unter anderem die gängigsten Pillen. Bei den Gestagenen unterscheidet man vier verschiedene Generationen. Pillen mit dem Gestagen Levonorgestrel zählen zur zweiten und damit älteren Pillengeneration. Durch Weiterentwicklungen entstanden neuere Pillen der dritten und vierten Generation, die günstige Zusatzwirkungen wie Verringerung von Menstruationsbeschwerden und Verbesserung des Hautbildes haben.

 

Eine neuere Studie stellte fest, dass sich das Thromboserisiko der einzelnen Generationen unterscheidet. Das Thromboserisiko der Pillen der dritten Generation ist um etwa das doppelte höher als bei Pillen der zweiten Generation. Neuere Pillen der vierten Generation haben möglicherweise ein ähnliches Risiko. Dennoch ist das Gesamtrisiko für das Auftreten einer Thrombose unter Anwendung eines kombinierten hormonalen Verhütungsmittels gering. Dieses wird jedoch deutlich erhöht, wenn weitere Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen Übergewicht, Rauchen, ein Alter über 35 Jahre, Thrombose in der Vorgeschichte bzw. familiäre Thromboseneigung. Daher müssen vor der Erstverschreibung der Pille individuelle Risiken sorgfältig erfasst und beurteilt werden.

Wenn Sie mit einem Kombinationspräparat verhüten, sollten Sie folgendes beachten:

Die Entscheidung, auf eine Pille der zweiten Generation zu wechseln, sollte nur im gemeinsamen Gespräch mit Ihrem Frauenarzt getroffen werden. Zwar ist das Thromboserisiko dieser Pillen möglicherweise geringer, dafür können wiederum andere unerwünschte Nebeneffekte auftreten, z.B. schlechtere Verträglichkeit, Zwischenblutungen, Menstruationsbeschwerden, Verschlechterung des Hautbildes


Wenn Sie ihre Pille bereits länger als 1 Jahr einnehmen, ist das Thromboserisiko fast nicht mehr erhöht, und ein Wechsel oder ein Absetzen ist nicht angebracht


Auch wenn Sie auf eine andere Pille umsteigen möchten: setzen Sie Ihre Pille nicht einfach ab. Das Thromboserisiko ist in den ersten 4-6 Monaten nach Neueinnahme einer Pille am höchsten


Wenn Sie zusätzliche Risikofaktoren haben, sollten Sie sich über risikoärmere Verhütungsalternativen informieren z.B. die östrogenfreie Pille ("Minipille") oder eine Hormonspirale


Achten Sie auf Symptome einer Thrombose, wie einseitige, muskelkaterähnliche Schmerzen und Spannen in der Wade oder Schmerzen auf der Innenseite der Oberschenkel zur Leiste hin. 


Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis wenn Sie Fragen zu Ihrer Verhütung haben oder sich über Alternativen informieren lassen wollen.

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Checkliste
Informationen über kombinierte hormonale Kontrazeptiva ("Pillen" und andere Verhütungsmittel mit Östrogenen und Gestagenen) und das Risiko für Blutgerinnsel
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